Das Bildungssystem in Deutschland, auch in Brandenburg, ist geprägt von Chancenungerechtigkeit.
Verschiedene Faktoren, wie z.B. die finanzielle Sicherheit, die ethnische Zugehörigkeit oder ein akademisches Elternhaus beeinflussen die Chancen auf einen hohen Schulabschluss.Damit einhergehend wird ebenfalls die Chance auf eine soziale und finanzielle Sicherheit geprägt. Diese fortbestehende Ungerechtigkeit wurde im vergangenen Jahr durch die Corona Pandemie massiv verschärft. Viele Handlungsschritte für eine gerechtere Handhabung des Distanzunterrichtes wurden verschlafen.

Welche Schritte unseres Empfindens nach nun sofort angegangen werden müssen, finden Sie im Nachfolgendem aufgeschlüsselt.

Klar ist, als GRÜNE JUGEND Brandenburg stehen wir hinter den aktuellen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie und fordern alle Menschen dazu auf, diese einzuhalten.

1. Gesundheitsschutz an Schulen

Der Gesundheitsschutz der Lehrer*innen, Schüler*innen und Angehörigen muss weiterhin oberste Priorität haben. Die Beschaffung und Installation von Luftfilteranlagen ist bisher nicht gelungen. Demzufolge waren die Lehrkräfte dazu angehalten, sich selbst und ihre Schüler*innen auch bei niedrigen Temperaturen durch regelmäßiges Lüften vor einer möglichen Ansteckung zu schützen. Der Impfstart erweckt die Hoffnung auf eine verbesserte Situation im nächsten Winter. Dennoch sollte spätestens im Sommer über die Notwendigkeit von Luftfilteranlagen entschieden und, wenn nötig, deren Installation in Schulen zeitnah umgesetzt werden.

Um in der Krisensituation auch im Unterricht die Abstände wahren zu können, z.B. durch die Teilung von Klassen in kleinere Lerngruppen, fordern wir eine Überprüfung der Nutzungsmöglichkeiten von alternativen Lernorten wie z.B. Räumen in Theatern oder Museen. Gleichzeitig sollte temporär externes Personal (z.B. Sport- und Musikpädagogen*innen)

ZUR AKTUELLEN SITUATION LERNEN UNTER CORONA

eingesetzt werden, um die zusätzlichen Unterrichtszeiten abzusichern. Außerdem sollte die Möglichkeit, Lehramtsstudierende als Lehr-Lernassistenten*innen einzustellen, verlängert werden.

Die Möglichkeit der kostenlosen Corona-Tests hat sich bewährt. Die Lehrer*innen haben dieses Angebot angenommen. Deswegen sollte diese Möglichkeit unbedingt beibehalten und erweitert werden, sodass auch Schüler*innen, die in einem Haushalt mit Risikopersonen leben, kostenlose Tests durchführen können.

2. Entlastung der Schulen und der Schüler*innen

Die angespannte Gesundheitssituation wirkt sich massiv auf die Lernmöglichkeiten in der Schule aus. Insbesondere in der letzten Woche vor Weihnachten mussten die Schulen den Präsenzunterricht, das Distanzlernen und die Notbetreuung parallel gewährleisten und wurden über die genauen Regelungen erst kurzfristig informiert. Wir fordern daher einen langfristigen Plan, der für den Unterricht bereits ab einem Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner*innen pro Woche ein Wechselmodell zwischen Präsenz- und Fernunterricht vorsieht. Hiermit soll das Infektionsrisiko für alle Schüler*innen sowie das Personal an den Schulen reduziert werden und gleichzeitig eine Eingewöhnungsphase an die besonderen Bedingungen des Fernunterrichts ermöglicht werden, falls eine erneute vollständige Schließung der Schulen notwendig ist.

Eine Ausnahme von diesem Wechselmodell sollten Schüler*innen der 1. und 2. Klassen bilden. Da diese Schüler*innen am stärksten unter den Anforderungen des Fernunterrichts leiden, sollten diese Klassen so schnell wie möglich in den Regelbetrieb zurückkehren.

Doch auch bei der bestmöglichen Umsetzung des Fernunterrichts bedeutet dieser für die Schüler*innen eine zusätzliche Belastung und beeinträchtigt ihren Lernprozess grundlegend. Wir fordern daher, dass Schüler*innen durch die möglicherweise entstehenden Lernrückstände nicht benachteiligt werden. Deshalb sollte das verpflichtende Wiederholen der Jahrgangsstufe bis 2023 ausgesetzt werden. Wir bekräftigen an dieser Stelle noch einmal unsere Forderung, den §59 des Brandenburgischen Schulgesetzes langfristig zu überarbeiten und eine Wiederholung der Klassenstufe nur noch auf Antrag der Eltern zuzulassen.

Die Erfahrung aus dem Distanzunterricht in der ersten Hälfte des letzten Jahres haben verdeutlicht, dass viele Schüler*innen mit der Menge der Aufgaben überfordert waren. Häufig standen hierbei auch die Lehrkräfte in der Kritik, welche mit dem Ziel den Lehrplan zu erfüllen, zu schwere und zu viele Aufgaben erteilten. Die Schulen sollten daher dazu aufgefordert werden, ihre schulinternen Rahmenlehrpläne temporär zu reduzieren. Das MBJS ist dafür verantwortlich, die Schulen dabei zu unterstützen, indem es Themen im Lehrplan priorisiert und

zweitrangige Themen benennt. Zusätzlich sollten die Schulen dazu aufgefordert werden, die Anzahl der Noten zu reduzieren, um dadurch die psychischen Belastungen für die Schüler*innen nicht zusätzlich zu erhöhen.

Neben der methodischen Unterstützung der Schulen und Lehrkräfte fordern wir außerdem das Recht auf Notbetreuung in den KiTas auch für Lehrer*innen die im Fernunterricht tätig sind, da eine ausreichende Unterrichtsvorbereitung bei gleichzeitiger Betreuung der eigenen Kinder kaum möglich ist.

3. Technische Unterstützung

Durch den Lockdown werden soziale Ungleichheiten, welche in der Schule eigentlich ausgeglichen werden sollten, weiter verstärkt. Die schulische Unterstützung von Eltern fällt in jeder Familie sehr unterschiedlich aus. Deshalb fordern wir, dass sofort staatlich finanzierte Online-Nachhilfe Angebote aufgebaut werden, um Kinder und Eltern zu entlasten.

Um allen Kindern weiterhin Teilhabe und Berührungspunkte an Kultureinrichtungen zu ermöglichen, fordern wir die Unterstützung von Kunst-, Musik- und Theaterpädagog*innen, bei der Ausarbeitung von Konzepten für eine Reihe von Freizeitangeboten.

Außerdem muss die Anschaffung dringend erforderlicher technischer Geräte garantiert werden. Finanziell Benachteiligten darf der Zugang zur Online-Lehre und an Online-Nachhilfe- Angeboten nicht verwehrt bleiben. Die dafür vorgesehenen Mittel aus dem Digital Pakt Schule wurden in der Vergangenheit zu langsam abgerufen, das zeigt die Krise nun stärker denn je.

Auch der langfristige Ausbau des Breitband ist längst hinfällig. In vielen Gebieten Brandenburgs werden Schüler*innen durch permanente schlechte Internetverbindungen am Lernen gehindert. Um eine Garantie auf Internetzugang auch in ländlichen Gebieten zu ermöglichen, könnten Funkanbindungen als kurzfristige Lösung für den Übergang genutzt werden.

Die Schulcloud bietet Schulen bzw. Lehrer*innen einen sicheren Weg, Lernmaterial an Schüler*innen zu vermitteln. Dennoch besitzt fast die Hälfte der Schulen in Brandenburg noch keinen Zugang. Hier fordern wir, alle Schulen schnellstmöglich an die Schulcloud anzubinden, einen stabilen Betrieb zu gewährleisten und die Schulen intensiv bei der Einrichtung und Betreuung der Schulcloud zu unterstützen.

Damit Lehrer*innen bei technischen Schwierigkeiten entlastet werden können, fordern wir die Einstellung von IT- Spezialist*innen. Diese sollen die Lehrkräfte im Nutzen technischer Mittel fortbilden, sodass etwaige Schwierigkeiten im Online-Unterricht verringert werden können. Langfristig sollten Lehrer*innen die technischen Tools als effiziente Unterstützung in den Unterricht integrieren.

Um eine fachliche Überlastung der Schüler*innen zu verhindern, sollten Lehrkräfte bei der Erstellung von differenziertem Unterrichtsmaterial vom MBJS und dem Lisum unterstützt werden, damit sie den individuellen Fähigkeiten der Lernenden gerecht werden.

4. Sonderpädagogischer Förderbedarf

Die Isolierung trifft Menschen mit Behinderung besonders stark und schon vor der Corona Krise existierende Benachteiligungen in unserem Schulsystem werden nun noch weiter vertieft.

Ohne persönlichen Assistenz oder Eingliederungshilfe wird vielen Schüler*innen mit einer Behinderung die Chance auf ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Lernen genommen. Eine Vielzahl der Assistenzkräfte hat jedoch nicht die ausreichende Schutzkleidung (Masken, Desinfektion, Handschuhe etc.) und Testmöglichkeiten, um sich selbst und ihre Assistenzbezieher*innen zu schützen. Hier muss finanziell dafür gesorgt werden, dass genügend Schutzkleidung und Testmöglichkeiten beschafft werden können.

Beim Wegfall des benötigten Hilfsbedarfs im Lockdown werden Angehörige zusätzlich belastet ,was zur Vernachlässigung von Betroffenen führen kann.

Um Vereinsamung, Depressionen und anderen psychische Erkrankungen sowie sozialer Ausgliederung entgegenzuwirken, muss ein Konzept für soziale Interaktionen für Menschen mit Behinderung erarbeitet werden.
Für die Konzeptentwicklung müssen sowohl Angehörige, Betroffene als auch Schulen und Assistenzkräfte mit einbezogen werden. Nur so kann eine angemessene Teilhabe am Unterricht sichergestellt und der Hilfsbedarf individuell angepasst werden.

Für die Schulcloud muss das Lernmaterial und der dafür nötige Zugang barrierefrei gestaltet werden.
Dafür ist ausreichendes Material bereitzustellen, welches an die indivudellen Lernschwächen angepasst ist. Aber auch die Unterstützung von Eltern und Kindern mit Deutsch als

Zweitsprache darf nicht vergessen werden. Aus diesem Grund müssen auch für diese Menschen umfangreiche Online-Angebote geschaffen werden.

5. Mehr Demokratisierung wagen

Bei allen Regelungen muss zu jeder Zeit das psychische und physische Wohlergehen der Kinder mitbedacht werden.
Schulsozialarbeiter*innen müssen aus diesem Grund stärker in den Alltag der Schüler*innen und Lehrkräfte integriert werden.

Um regelmäßigen Kontakt der Schüler*innen untereinander und mit ihren Lehrkräften sicherzustellen, sollen Lehrkräfte dazu verpflichtet werden in einem regelmäßigen Abstand von mindestens 2 Wochen eine Videokonferenz abzuhalten. Die technischen Vorraussetzungen müssen, wie bereits im Punkt 3 beschrieben, schnellstmöglich umgesetzt werden. Zu den technischen Voraussetzungen kommen außerdem die datenschutzrechtlichen Schwierigkeiten. Auch dazu sollten die Lehrkräfte möglichst zeitnah geschult werden.
Um die kommenden Maßnahmen fairer zu gestalten, müssen Schüler*innen, Lehrkräfte und Eltern stärker mit einbezogen werden. Aus diesem Grund fordern wir die Einrichtung einer Task Force „Lernen unter Corona“.