****PRESSEMITTEILUNG DER GRÜNEN JUGEND POTSDAM ZUM STRANDBAD BABELSBERG*****

Am vergangenen Samstag fand im Strandbad Babelsberg die ursprünglich für März angesetzte Ortsbegehung statt, bei der interessierten Potsdamer*innen von Stadtwerken und Schlösserstiftung das Umsetzungskonzept für die Neugestaltung des Bades vorgestellt wurde. Bis Anfang Juni soll die Stadtverordnetenversammlung nun über die zugehörige Beschlussvorlage abstimmen, die den Grundstückstausch zwischen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und Stadt, Abriss und Neubau des Vereinsgebäudes des Seesportclubs sowie die Verlagerung des Strandbades beinhaltet. 

„Wir kritisieren die mangelnde Orientierung der SPSG und der Verhandlungspartner*innen der LHP an den Bedürfnissen der Bürger*innen unserer Stadt, wie sie die aktuelle Beschlussvorlage wiederspiegelt. Das zeigt sich im starren Festhalten an den Plänen trotz großer Widerstände aus der Bürger*innenschaft, trotz der vielfach aufkommenden Vorwürfe der Intransparenz in den Verhandlungen und trotz der massiven finanziellen Belastung des städtischen Haushalts  durch die Corona-Pandemie. 

Dass zum jetzigen Zeitpunkt Millionen an Steuergeldern in Abriss und Neubau eines sanierungsfähigen, erhaltungswürdigen Gebäudes und die Wiederherstellung historischer Wegebeziehungen fließen, symbolisiert drastisch die Schieflage politischer Prioritätensetzung in Potsdam. Das zeigt sich auch in der realitätsfernen, unnachgiebigen Haltung gegenüber geäußerten Wünschen aus der Stadtbevölkerung nach mehr Bademöglichkeiten, Radwegen, Möglichkeiten zur Müllentsorgung“, so Hanna Große Holtrup (Sprecherin der Grünen Jugend Potsdam).

Es müssen in der Stadt auch außerhalb des neuen Strandbades Stellen geschaffen werden, an denen Baden, Liegen und Ballspielen explizit erlaubt wird, denn das in Zukunft um 4000qm Liegefläche verkleinerte Strandbad hat in den immer heißer werdenden Sommermonaten nicht ansatzweise genug Aufnahmekapazitäten für Badegäste. 

Auch jungen und ökonomisch schwächeren Menschen muss eine Möglichkeit zum Baden fernab von den sicherlich weiter steigenden Eintrittspreisen im neuen Strandbad geboten werden.  

Auch wir sprechen uns gegen Naturzerstörung durch Vandalismus im Park aus, auch wir wollen, dass intakte Schilfgürtel geschützt werden; eine weitere Zuspitzung der Situation ist dafür jedoch wenig hilfreich. 

Wir fordern deshalb, die gezielte Ausweisung erlaubter Badestellen in ausreichender Kapazität um Denkmalschutz, Ökologie und das städtisches Leben in Einklang zu bringen, statt gegeneinander auszuspielen. Stiftung und Stadt müssen Druck vom Ventil nehmen, müssen endlich gemeinsam mit den Bürger*innen an der Lebenswirklichkeit orientierte Kompromisse finden, um eine weitere Polarisierung des Konfliktes und Aktionen zivilen Ungehorsams zu verhindern.

„Der Weltkulturerbestatus der Parks Babelsberg hängt laut Schlösserstiftung nicht an der Wiederherstellung dieses Weges, weshalb die Zeit da ist, einen echten Ausgleich zweier berechtigter öffentlicher Interessen zu schaffen, anstatt in der aktuellen gesellschaftlichen Lage an diesem unausgewogenen Konezpt festzuhalten. 

Beispielsweise sollte geprüft werden, ob es rechtliche und architektonische Möglichkeiten giibt, den Weg ins Strandbad zu integrieren, und das Vereinsgebäude des Seesportclubs als zeitgeschichtliches kulturelles Erbe in das Konzept der Parkgestaltung zu integrieren – Potsdams Geschichte und Identität ist vielseitig und wechselhaft und das darf nicht konsequent ausradiert werden, das kann auch in einem innerstädischen Weltkulturerbe Berücksichtigung finden“,  fordert Jana Uffenkamp (aus der Grünen Jugend Potsdam).

Für zukünftige mögliche städtebauliche Konflikte wünschen wir uns, dass frühzeitig der Dialog mit den Bürger*innen gesucht wird, statt bilateral Kompromisse mit der SPSG auszuhandeln und Betroffene bei Informationsverantstaltungen vor vollendete Tatsachen zu stellen. Die SPSG darf nicht länger gegen die Interessen der Bürger*innen Potsdams agieren. 

Grundlage der weiteren Zusammenarbeit zwischen SPSG und Landeshauptstadt Potsdam muss daher eine Neupriorisierung der Ziele der SPSG sein. Die Rekonstruktion der historischen Parklandschaft darf nicht auf Kosten der städtischen Lebensqualität gehen und sollte dem Erhalt und der Pflege der bestehenden Parklandschaft untergeordnet sein. In diesem Zusammenhang fordern wir von der SPSG, vordergründig in die Sicherung des Pflanzen- und Baumbestandes zu investieren, statt die Wiederherstellung historischer Wegebeziehungen zu priorisieren, um die Qualität des Parkes als Ort der Erholung und des sozialen Lebens zu steigern. 

Wir fordern die SVV auf, die aktuelle Beschlussvorlage abzulehnen, solange sie nicht in Richtung einer größtmöglichen Nutzer*innenfreundlichkeit angepasst wird.

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potsdam@gj-bb.de