Die wechselhafte Geschichte der Wiedervereinigung ist auch nach 30 Jahren und trotz aller Bemühungen nicht abgeschlossen oder als reines Erfolgsmodell zu bezeichnen. 30 Jahre Einheit sind aber ein guter Anlass, um inne zu halten und die Vergangenheit zu rekapitulieren — mitnichten stellen sie einen Schlussstrich dar. Es ist eine der vielen Etappen auf dem Weg zur Chancengleichheit und zur sozialen und ökologischen Gerechtigkeit.

Dazu erklärt Josepha Albrecht, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Brandenburg:

„Das Ende der DDR brachte für viele Menschen in Ostdeutschland die Freiheit von Überwachung, die Freiheit der Ausbildung, die Freiheit zum politischen Engagement oder zum Reisen. Aber die Wiedervereinigung bedeutete auch krasse Brüche im privaten und beruflichen Leben vieler Menschen, Ausbrüche rechten Terrors, das Ausbluten ganzer Regionen und die unreflektierte Übernahme von BRD-Gesetzen, die teilweise noch aus der NS-Zeit stammten. Sowohl positive als auch negative Aspekte gehören zum Gesamtbild mit dazu. Als ostdeutscher Landesverband stellen wir einseitige Rückblenden per se in Frage und fordern eine gesamtheitliche Betrachtung der Folgen des Beitritts der DDR zur Bundesrepublik Deutschland.“

Gerrit Alino Prange, Sprecher der GRÜNEN JUGEND Brandenburg, ergänzt: “Die undifferenzierte Glorifizierung von nationalstaatlichen Symbolen lehnen wir ab.  Deutschlandfahnen an jeder Ecke und die Beweihräucherung deutscher Traditionen entsprechen nicht unserer Vorstellung von einem verantwortungsvollen Umgang mit der besonderen Geschichte der „Neuen Bundesländer“. Dazu zählt auch der fortwährende Trend zum Abriss städtebaulicher Erinnerungen, wie dem Rechenzentrum in Potsdam, welches 2023 abgerissen werden soll. Klar ist: Geschichtsträchtige DDR-Bauten, einige der letzten und sichtbarsten Überbleibsel der DDR-Geschichte, sollten bewahrt werden. Es braucht eine öffentliche und städtebauliche Erinnerungskultur und eine Anerkennung der ostdeutschen Perspektive.”

PRESSEMITTEILUNG VOM 02.10.2020