Sarah BenkeAnlässlich des Internationalen Tags der Muttersprache am 21. Februar 2008 erklärt SARAH BENKE, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Brandenburg:

„Die Benachteiligung gehörloser Kinder muss endlich beendet werden! Obwohl die Deutsche Gebärdensprache seit 2002 offiziell als eigenständige Sprache anerkannt ist, gibt es noch immer gravierende Mängel in ihrer Anwendungsfreiheit. So ist es gängige Praxis, dass hörgeschädigte Kinder und Jugendliche in Schulen verbal unterrichtet werden und der Unterricht in Gebärdensprache die Ausnahme bleibt.

Die GRÜNE JUGEND Brandenburg hält es für unerlässlich, dass Gehörlose auch in Gebärdensprache unterrichtet werden. Für hörgeschädigte Kinder und Jugendliche, gerade,
wenn sie in einer hörenden Familie aufwachsen, ist es unabdingbar, eine umfangreiche Förderung in Gebärdensprache zu erhalten, da dies die einzige Sprache ist, die sie auf natürlichem Wege erlernen und als Muttersprache annehmen können. gebaerdenNur die Fähigkeit, in ihrer Muttersprache perfekt kommunizieren zu können, erlaubt es den Kindern, ihre Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen und sich mit der Kultur der Gehörlosen zu identifizieren. Negative Einschränkungen ergeben sich aus der Situation, die Laut- und Gebärdensprache nur ungenügend zu beherrschen. Bleibt die Förderung gebärdensprachlicher Kompetenz aus, verschlechtern sich die Ausgangsbedingungen, wodurch die Bildungsentwicklung des Kindes gehemmt wird.

Wir halten das Konzept einer
einseitig auf Hör- und Sprechentwicklung zentrierten Förderung für falsch, weil es die Notwendigkeit einer ungehinderten Kommunikation negiert. Die Erfolge der bilingualen Schulversuche in Hamburg und Berlin haben gezeigt, dass gehörlose SchülerInnen wesentlich größere Chancen besitzen, ein höheres Bildungsniveau zu erreichen, wenn ihre Förderung nicht nur auf den Erwerb der Lautsprache beschränkt bleibt.

Deshalb sind wir der Meinung, dass sich die Deutsche Gebärdensprache im Rahmen eines bilingualen Schulkonzepts an Gehörlosenschulen etablieren muss.“

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