Die Potsdamer Jusos und Grüne Jugend fordern anlässlich des internationalen Frauen*kampftages, dass der Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit in allen Bereichen mit aller Kraft fortgesetzt wird. Bei ihrer gemeinsamen Aktion vor dem Bildungsforum am Frauen*kampftag des letzten Jahres äußerten mehrere Passant:innen den Vertreter:innen der beiden politischen Jugendorganisationen gegenüber, dass die Gleichstellung der Geschlechter doch schon erreicht, oder wenn schon immer eher ein westdeutsches Problem gewesen sei.

 Dass dies nicht der Fall ist und trotz des bisher Erreichten bis zur endgültigen Verwirklichung der Geschlechtergerechtigkeit noch viel zu tun ist, hat die Corona-Pandemie einmal mehr verdeutlicht. Es gibt eine deutliche Zunahme von häuslicher Gewalt. Es bringen sich zwar auch viele Männer im Lockdown bei der Kinderbetreuung ein, trotzdem sind es vor allem Frauen*, die nun noch mehr Zeit für Sorgearbeit aufwenden. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass gerade Berufe, in denen Frauen* überrepräsentiert sind, systemrelevant und trotzdem vergleichsweise viel zu schlecht bezahlt sind. Eleanor Benz, Unterbezirksvorsitzende der Potsdamer Jusos, fordert deshalb: „Berufe, in denen klassischerweise Frauen* arbeiten, müssen endlich angemessen bezahlt und die Arbeitsbedingungen z.B. in der Pflege endlich verbessert werden. Die Bedeutung, die die Arbeit all dieser Frauen* für unsere Gesellschaft hat, muss sich auch in einer besseren Bezahlung widerspiegeln. Das endlich zu erreichen ist genauso wichtig, wie das Ziel, mehr Frauen* in Führungspositionen zu bringen, um endlich den Gender-Pay-Gap zu überwinden.“

Erfreulich sind in dieser Hinsicht in den Augen der Jusos und der Grünen Jugend die Anstrengungen der Landeshauptstadt Potsdam und der Rot-Rot-Grünen Rathauskooperation, sowohl im Rathaus mehr Frauen* in Führungspositionen zu bringen, als auch bei der Besetzung der Aufsichtsräte und Führungspositionen in den städtischen Unternehmen Geschlechterparität zu erreichen. So wurde erreicht, dass von den 21 Fachbereichen im Rathaus inzwischen 11 von Frauen* geleitet werden.

Dass das brandenburgische Paritätsgesetz im letzten Jahr für verfassungswidrig erklärt worden ist, war für die beiden Jugendorganisationen eine Enttäuschung. Aber sie sind zuversichtlich, dass dies noch nicht das letzte Wort in Sachen Paritätsgesetzgebung war. Gleichzeitig komme es jetzt umso mehr darauf an, dass die Parteien von sich aus ihre Listen paritätisch besetzen und auch bei der Nominierung der Kandidierenden für die Direktmandate auf eine gerechte Geschlechterverteilung achten.

Katastrophal bleibt auch die Lage der reproduktiven Gerechtigkeit. Die Kriminalisierung und Tabuisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, u.a. durch Paragraph 219a des Strafgesetzbuchs, wirken auch in Potsdam und Brandenburg. „Schwangerschaftsabbrüche sind wichtige medizinische Versorgungsleistungen. Doch der Zugang zu Informationen ist nach wie vor stark eingeschränkt, der Weg zum Eingriff für Betroffene häufig verwirrend und kräftezehrend“, so Antonia Baumgarten, Sprecherin der Grünen Jugend Potsdam. „Außerdem werden Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, immer weniger.“ Jusos und Grüne Jugend mahnen hier schnelle Verbesserungen an.

Alle politisch interessierten jungen Frauen* laden sie herzlich ein, sich auch parteipolitisch in ihren Jugendorganisationen zu engagieren und sich so für die Durchsetzung der Gleichberechtigung einzusetzen.

Schließlich werben Grüne Jugend und Jusos dafür, sich in den kommenden Tagen und Wochen, an den vielfältigen Aktionen der 31. Brandenburgischen Frauenwoche, die dieses Jahr fast ausschließlich online stattfindet, zu beteiligen.