Unser Wochenende in der Niederlausitz:

Nachhaltiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen unseres Planeten ist Grundvoraussetzung für eine lebenswerte Zukunft. Auf unserem Lausitzwochenende vom 2.-3. Juni erlebten wir die krassen Gegensätze in der Land- und Energiewirtschaft, wie es sie in kaum einer anderen Region gibt: Ökohöfe mit nachhaltigen Fruchtfolgen, Kreislaufwirtschaft und Regionalvermarktung neben konventionellen Monokulturen und riesigen industriellen Schweinemastanlagen. Windräder und Solarpanele neben Braunkohletagebauen- und Kraftwerken, die – regional wie global betrachtet – unsere Natur auf schnellstem Wege zerstören.

Mit dem Zug in Vetschau angekommen und mit unseren Schlafsäcken auf den Gepäckträgern radelten wir vorbei an Gewässern, die der Ockerschlamm der Tagebaue auf Jahrzehnte verunreinigt. Ockerschlamm wird durch Oxidationsprozesse in Braunkohletagebauen freigesetzt und gelangt durch das anschließend wieder steigende Grundwasser in die regionalen Gewässer, welche nun in sattem Hellbraun „erstrahlen“.

Ökologisch. Gut. Biologisch-Dynamisch. Besser.

Auf dem Gut Ogrosen hingegen, über das uns Landwirt und Imker Johann Lütke Schwienhorst geführt hat, konnten wir die schönen Seiten der Lausitz bestaunen: Regionale, nachhaltige, biologisch-dynamische Lebensmittelerzeugung ist auf dem Demeter-Ökohof Programm: Der Hofladen mit allerlei Leckereien, wolfssichere Zäune, Kühe mit unversehrten Hörnern, Hühner mit traumhaft schattigem Auslauf und Sonnenblumenfelder, die auch ohne Pestiziden dem Unkraut die Stirn bieten – das alles ist ein enormer Beitrag zur Biodiversität und generell zum verantwortungsvollen Umgang mit Brandenburgs großen Flächen. Wir lernen und diskutieren darüber, wie bäuerliche, solidarische und ökologische Landwirtschaft unterstützt werden kann und wie die EU ihre Agrarsubventionen reformieren muss.

„Kohlebagger stoppen, Klimaschutz rocken!“

Nach einem spaßigen gemeinsamen Abend konnten wir es uns Sonntagvormittag nicht nehmen lassen, noch eine Runde im nahegelegenen See planschen zu gehen (ein ehemaliger Tagebau, der nun zum Baggersee wurde). Und als hätten wir uns damit nicht schon genug ertüchtigt, folgte anschließend noch unsere Radtour inklusive ausgedehnter Mittagspause in einem Haltestellenhäuschen (einen Bus haben wir dennoch nie gesehen). Das Ziel der Radtour war der massive Tagebau Welzow I Süd, der dem Niederlausitzer Erdreich jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen Braunkohle entreißt. Erschlagen, aber zugleich bestärkt in unserem Anliegen, die fossile Energiegewinnung in Brandenburg endlich zu beenden, schauten wir uns von der Aussichtsplattform die riesige Grube an und konnten uns sogar noch mit einem Ehepaar aus Thüringen unterhalten, das interessiert unser Transparent beäugte: „Kohlebagger stoppen, Klimaschutz rocken!“