Ein Kommentar von Ricarda Budke (18), Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Brandenburg

Horst Seehofer soll in Merkels 4. Kabinett der neue sogenannte „Heimatminister“ werden. Die Aufgabenbereiche des Ministeriums sind noch nicht endgültig abgesteckt, aber wahrscheinlich orientiert man sich hierbei am Heimatministerium in Bayern, das auf den ersten Blick vielen wie eine Lachnummer erscheint. Doch, entgegen aller Klischees, existiert das dortige Ministerium nicht, um Dirndl und Lederhosen zu fördern und dabei Bier zu trinken – die Kernaufgabe ist die Stärkung und Entwicklung der ländlichen Räume. Breitbandausbau und gute Lebensbedingungen auch fernab von Ballungsräumen – darum muss es auch auf Bundesebene gehen. Denn darum geht es auch schon in vielen anderen Bundesländern. So zum Beispiel im Ministerium für Ländliche Entwicklung in Brandenburg oder in den Ministerien für Ländliche Räume in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg, wo sich in Kiel sogar der neue grüne Bundesvorsitzende Robert Habeck über Internet, Busverbindung und Landärzt*innen den Kopf zerbricht. Das Thema ist zu wichtig, um es außer Acht zu lassen oder sich darüber lustig zu machen. Und gleichzeitig bin ich mir als Brandenburgerin mit zweitem zu Hause in Nordfriesland und Eltern aus Westfalen sicher, dass das geplante Heimatministerium es nicht schaffen wird, die Probleme entsprechend anzugehen. Denn alleine der Name repräsentiert nicht das, worum es gehen muss. Es ist die Aufgabe der Bundesrepublik Deutschland, gleichwertige Lebensverhältnisse (GG, Art.72) überall im Bundesgebiet zu schaffen. Doch natürlich wird man nicht überall exakt gleich leben können. Regionen sind unterschiedlich, und so auch die ländlichen Räume. Die Probleme eines Dorfes in der Uckermark gleichen nicht denen des Nachbardorfes und schon gar nicht gleichen die Herausforderungen in der Uckermark den Herausforderungen im Hunsrück, in Mecklenburg oder dem Bayrischen Wald. Und das alles unter dem Begriff „Heimat“ zusammenzufassen ist zu einfach, abgesehen von allen Schwierigkeiten mit diesem Begriff. Hinzu kommt, dass Seehofer zu Beginn seiner Amtszeit die Landtagswahl in Bayern ganz schön im Nacken sitzen wird. Es ist anzunehmen, dass er aus Berlin gewaltig Wahlkampf machen wird – und anstatt sich sachlich Konzepte für alle Regionen Deutschlands zu überlegen, lieber mit Provokation und Populismus den Fokus auf die Probleme in Bayern setzt. Doch damit werden viele Menschen, die ein solches Ministerium dringend benötigen, nichts anfangen können. Denn die ländlichen Räume sind vielfältig. Sie unterscheiden sich in strukturellen Bedingungen, Kultur und ja, auch in der Sozialisation der Menschen. Und mit Vielfältigkeit kann Horst Seehofer ja bekanntlicherweise nicht allzu gut umgehen.