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Landfraß stoppen – Brandenburgs Naturschatz erhalten!

Trotz sinkender Bevölkerungszahlen steigt in Brandenburg die Flächenversieglung weiter an. Das Land nimmt bundesweite Spitzenpositionen im Flächenverbrauch pro Kopf ein. Die Zeit für einen echten Strukturwandel ist überfällig. Naturschutzgebiete müssen konsequent ausgebaut, Naturräume erhalten und versiegelte Flächen renaturiert werden. Die Versiegelungsbilanz muss zeitnah ausgeglichen sein. In der Summe müssen genau so viele Flächen von wasser- und luftdichter Bedeckung befreit, wie neu verschlossen werden. Deshalb fordern wir von der Landesregierung: Brandenburg muss bis 2025 eine ausgeglichene Bilanz bei der Versiegelung von Böden haben. Außerdem müssen die Naturschutzgebiete Brandenburgs konsequent ausgebaut werden. Mit der Erstellung eines langfristigen Planes zur Rückgabe anthropogen genutzter Flächen an die Natur sollen klare Zeitpunkte und verbindliche Zielsetzungen geschaffen werden.

Jede Region hat unterschiedliche Stärken und Herausforderungen. So hat Brandenburg weder die Einwohnerzahl Nordrhein-Westfalens noch die Wirtschaftsstärke Baden-Württembergs. Mit nur 83 Einwohner pro km² ist Brandenburg nach Mecklenburg-Vorpommern das am dünnsten besiedelte Bundesland. Auch in Sachen Industrie und Wirtschaftsstärke belegt das Bundesland die hinteren Plätze im bundesweiten Vergleich. Die Landesregierung nimmt sich diesen vermeintlichen Schwächen seit Jahren mit einem weder erfolgreichen noch nachhaltigen Wachstumskurs an. Die historischen Chancen und Potentiale, die Brandenburg mit seinen vielfältigen Naturräumen hat, wird dabei leider übersehen oder nur als für den Tourismus verwertbare Ressource betrachtet. Es ist höchste Zeit für einen nachhaltigen Strukturwandel und eine Wirtschaftspolitik, die die Lebensqualität der hier lebenden Menschen zur Maßgabe hat. Der demographische Wandel und die Landflucht junger Menschen sind große Herausforderungen. Sie bieten aber auch Chancen Brandenburg zu einem Bundesland mit lebendigen Zentren und vom Menschen verschonten Naturräumen zu machen. Eine weitere Ausbreitung unserer Siedlungen in die Peripherie stoppt mit Sicherheit nicht die Landflucht, sondern schafft mit ihrem Bedarf an Unterhalt für die aufgeblähte Infrastruktur eine Bürde für kommende Generationen. Eine nachhaltige Flächennutzung durch den Menschen bietet die einmalige Möglichkeit zu Erhaltung und Renaturierung von Naturräumen in Brandenburg. Deshalb muss auch die derzeitige Agrarpolitik konsequent in Bezug auf Nutzen für den Menschen und Kosten für die Natur hinterfragt werden.

Böden sind wichtig!

Wenn Böden versiegelt und bebaut werden, gehen wichtige Bodenfunktionen verloren.

© S. Lazar

Der Boden als natürlicher Wasserspeicher

Wie ein Schwamm speichert der Boden in seinen Poren Regenwasser. Je nach Bodenart, Humusgehalt und Bewuchs kann er bis zu 200 Liter Niederschlag pro Quadratmeter und einem Meter Tiefe aufnehmen. Auf versiegelten Flächen wird entsprechend kein Wasser gespeichert. Wenn es viel regnet, ist das Wasserspeichervermögen des Bodens entscheidend. Je mehr Wasser gespeichert wird, desto langsamer steigt bei hohen Niederschlagsmengen der Wasserspiegel in den Flüssen.

© Praxis Geographie

Versiegelter Boden

Versiegelter Boden ist vom Kreislauf aus Bodenbildung, Grundwasserversickerung, Pflanzenwachstum abgeschnitten. Denn er ist überbaut, asphaltiert, mechanisch verdichtet oder befestigt. Das ist besonders dann kritisch zu sehen, wenn jeden Tag weitere Flächen zu den bereits versiegelten Flächen hinzukommen. Trotz der Bestrebungen des Landes den Flächenverbrauch bis 2020 auf 30 Hektar pro Tag zu reduzieren, haben wir in Deutschland noch in den Jahren 2011 bis 2014 täglich 69 Hektar an Freifläche für den Bau neuer Siedlungen und Verkehrswege in Anspruch genommen. Dabei ist davon auszugehen, dass ungefähr 45 % dieser Fläche vollkommen versiegelt wurde. Das entspricht somit einer versiegelten Fläche von 31,2 Hektar oder etwa 44 Fußballfeldern pro Tag. Daten zum Status der Flächenversiegelung können unter dem Indikator „Anteil versiegelter Bodenfläche an Gebietsfläche“ im IÖR-Monitor eingesehen werden.