In Deutschland wird ein Menschenrecht verletzt und kaum jemand wehrt sich. Der UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung bescheinigt unserem Bildungssystem eine „ausgrenzende Wirkung“. Opfer sind „SchülerInnen aus armen Verhältnissen sowie SchülerInnen mit Migrationshintergrund oder Behinderungen“. Benachteiligung ist immer ein inakzeptabler Zustand. Wenn sie die Schwächeren und neu Angekommenen trifft, ist sie schier unerträglich. Es ist Zeit, endlich die Konsequenzen zu ziehen!

Frühkindliche Förderung in Deutschland – Bildung beginnt mit der Geburt!

In der Bundesrepublik Deutschland, die sich zu den internationalen Menschenrechten bekennt, gewinnt jeder Mensch mit seiner Geburt das Recht auf Bildung.

Die Pflege und Erziehung der Kinder stellt nicht nur ein wichtiges Recht, sondern auch die oberste Pflicht der Eltern dar. Aber ebenfalls in Krippen und Kindergärten findet wichtige Förderung statt, die die Grundlage für soziale Integration bilden. Sie wirkt sich nicht nur persönlichkeits- und entwicklungsfördernd auf jedes einzelne Kind aus, sondern begünstigt zudem das Erlangen sprachlicher und sozialer Kompetenzen. Deshalb sollte der staatliche Bildungsauftrag nicht erst mit der Einschulung, sondern bereits im Kleinkindalter beginnen, in dem die wesentlichen Voraussetzungen für alle späteren Bildungsprozesse geschaffen werden.

Diese Forderung richtet sich ausdrücklich gegen das Erlernen bestimmter Sachverhalte im Sinne eines vorschulischen Unterrichts – sie ist als Erlebnis der Natur, als Entdecken unterschiedlicher Materialien sowie als Förderung sprachlicher und sozialer Kompetenzen aufzufassen. Hierbei muss immer die angeborene, natürliche Neugier im Vordergrund stehen und der Kreativität eines jeden Kindes freien Lauf gelassen werden. Jegliche Bestrebungen, die kindliche Entwicklung an wirtschaftliche Interessen zu binden, lehnen wir ab.

Die GRÜNE JUGEND Brandenburg fordert:

  • Jedes Kind soll spätestens mit Beginn des 3. Lebensjahres den Kindergarten besuchen. Dieser Besuch muss für alle Kinder verpflichtend und kostenlos sein. Zudem soll die Anzahl der Krippenplätze erhöht werden. Die täglichen Öffnungszeiten der Kindergärten müssen ausgeweitet werden. Außerdem fordern wir einen gesetzlichen Anspruch auf kostenfreie Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr.
  • Frühkindliche Bildung spielt eine wichtige Rolle bei der Erziehung. Sie muss jedoch ausdrücklich entgegen der Form eines vorschulischen Unterrichts gestaltet sein.
  • Die Ausbildung von ErzieherInnen muss um wichtige Aspekte wie Mehrsprachigkeit, Multikulturalität und Heilpädagogik (Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen) sowie genderspezifische Themen erweitert und Fortbildungen angeboten und finanziert werden.

SchülerInnensortiermaschine zerlegen – Für eine gemeinsame Schule!

Wir wollen Förderschulen, Gesamtschulen, Oberschulen und Gymnasien in Brandenburg abschaffen, damit keinem Kind bereits nach der 6. Klasse ein Bildungsweg verbaut wird! Für uns ist klar: Der Kampf gegen Auslese und Ausgrenzung im Schulsystem ist erst gewonnen, wenn alle SchülerInnen das Recht erhalten, bis mindestens zur 9. Klassenstufe gemeinsam zu lernen und zu leben. Der Versuch, Gymnasien zu erhalten, verhindert, dass in den Köpfen von Eltern und LehrerInnen ein Umdenken stattfindet: weg von den mangelhaften Schulformempfehlungen und dem Ideal möglichst gleichförmiger Klassen, hin zu einer Lernkultur, die jedeN mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen annimmt und fördert.

Die GRÜNE JUGEND Brandenburg fordert:

  • Es muss eine Gemeinschaftsschule geschaffen werden, die allen offen steht: Leistungsstarken und Leistungsschwachen, Kindern mit Beeinträchtigungen, Kindern von Reichen und Armen und den Kindern von Flüchtlingen.
  • Individueller Unterricht, fächer- und altersgruppenübergreifendes Lernen und gezielte Förderung von von Ausgrenzung bedrohten Gruppen innerhalb der Lerngruppen erlauben, dass jedeR nach eigenen Interessen und eigener Geschwindigkeit lernt und trotzdem keineR den Anschluss verliert.
  • Schulen sind Keimzellen der Demokratie. In ihnen muss eine demokratische Mitbestimmung aller SchülerInnen ermöglicht werden.

Bildungsfinanzierung – Investition in die Zukunft!

Im internationalen Vergleich investiert die Bundesrepublik mit 9,8 % der gesamten öffentlichen Ausgaben nur einen Bruchteil der zur Verfügung stehenden Mittel in die Bildung. Damit rangiert sie weit abgeschlagen hinter Ländern wie Mexiko (23,9 %), Norwegen (16,1 %), Großbritannien (12,7 %) und Frankreich (11 %). Ohne ausreichende Finanzierung bleiben jedoch alle Veränderungen im Bildungssystem wirkungslos. LehrerInnen können nur in ausreichend kleinen Lerngruppen mit jedeR SchülerIn individuell arbeiten. Der Umgang mit modernen Medien, sowie praxisnaher Unterricht, zum Beispiel in den Naturwissenschaften, verlangt eine häufigere Neuausstattung mit zeitgemäßen Geräten und Materialien.

Für uns ist selbstverständlich, dass die Finanzierung von Bildung nach wie vor staatliche Aufgabe bleiben muss. Eine Privatisierung von Bildungskosten, wie beispielsweise bei den Gebühren von Kindertagesstätten, belastet immer sozial Schwächere und verstärkt Auslese und Ausgrenzung. Den vermeintlichen Sachzwängen leerer öffentlicher Kassen wollen wir mit neuen Einnahmequellen begegnen. Mehr Geld für Bildung lässt sich nicht allein durch Umschichtungen im Haushalt erreichen.

Die GRÜNE JUGEND Brandenburg fordert:

  • Die brandenburgische Landesregierung muss Bundesratsinitiativen zur Wiedereinführung der Vermögenssteuer und Reformen von Erbschafts- und Einkommenssteuer starten. Ziel ist es, das Steueraufkommen zu erhöhen, um die zusätzlich eingefahrenen Gelder direkt in die Bildungsfinanzierung fließen zu lassen.
  • Außerdem sollen durch Maßnahmen der Energieeffizienz gesparte Mehrausgaben ebenfalls zur Förderung schulischer Anliegen investiert werden.
  • Die Lernmittelfreiheit muss wieder eingeführt werden.
  • Die Einführung von Studiengebühren muss verhindert werden. Denn diese benachteiligen, selektieren und diskriminieren.
  • Kurzfristig ist eine Öffnung der brandenburgischen Hochschulen unumgänglich, um sich auf die Realitäten der derzeitigen Bildungssituation einzustellen. Nicht nur mit einem Abiturzeugnis, auch mit fachspezifischen Praxiserfahrungen oder einer abgeschlossen Berufsausbildung soll es InteressentInnen möglich sein, sich an der Hochschule ihrer Wahl zu bewerben und gleichzeitig eine faire Chance beim Bewerbungsverfahren zu erhalten.

2 Kommentare

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  1. 1

    […] sich für die Bildungs-Forderungen der GRÜNEN JUGEND Brandenburg interessiert, wird in unserem Grundsatzprogramm […]

  2. 2

    […] Bildung […]

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