Die von der GRÜNEN JUGEND Brandenburg organisierte Bildungsfahrt vom 18. bis 23. 10.2008 führte uns an die Orte grausamer Verbrechen durch Nationalsozialisten über Warschau nach Auschwitz und Birkenau.

Verbrechen (Oswiecim)Nach einer kurzen Nacht im Liegewagen kamen wir am Sonntagmorgen um 5.20 Uhr an der ersten Station unserer Reise in Warschau an. Diese wurde sogleich ausführlich erkundet, wobei der Fokus thematisch auf der Geschichte der Judenverfolgung lag. Hier wurde im Jahre 1940 durch deutsche Besatzer ein Gebiet abgetrennt, welches beschönigend als „jüdischer Wohnbezirk in Warschau“ bezeichnet wurde. Diente das „Warschauer Ghetto“ in Wahrheit lediglich als Sammellager für Deportationen von Juden aus ganz Warschau und weiteren Regionen unter NS-Herrschaft, so bleibt es doch auch als Ort der größten jüdischen Widerstandsaktion in Erinnerung. Hier am Mahnmal für die Opfer des Aufstandes 1943 hörten wir Vorträge zur Geschichte des Ghettos und einzelnen Personen, die ihr Leben gaben um anderen zu helfen.

Am nächsten Tag reisten wir weiter nach Oswiecim, wo wir in unserem Domizil, der internationalen Jugendbegegnungsstätte, empfangen wurden. Das Konzept dieses Hauses beinhaltet die Besinnung auf die Leidtragenden des Nationalsozialismus, welche durch konsequenten Dialog in den Gruppen die Notwendigkeit des Schutzes der Menschenrechte herausstellt. Dieser Grundsatz findet sich überall im Gebäude wieder – von der ausdrücklichen architektonischen Betonung der „Antikonzentration“ (große helle Räume, die ineinander übergehen) bis hin zur gut ausgestatteten Bibliothek mit Büchern zum Thema.

Auch unser Programm stellte das sehr genaue Beleuchten der Hintergründe und das Gedenken der Gequälten und Ermordeten im „Dritten Reich“ in den Vordergrund. Wir erhielten je eine Führung durch das „Stammlager Auschwitz“ und das drei Kilometer entfernte „Vernichtungslager Birkenau“. Schweigen in Oswiecim (Polen)Außerdem gab es ein Gespräch mit dem Zeitzeugen Wilhelm Brasse, der als Funktionshäftling zuerst die formalen Porträts der Neuankömmlinge im KZ aufnehmen, später auch die grauenhaften Menschenexperimente der NS-Ärzte dokumentieren musste. Als ihm 1945 befohlen wurde, seine Bilder zu vernichten, gelang es ihm, den Großteil zu retten, sodass sie heute einen wichtigen Beweis für die nationalsozialistischen Verbrechen darstellen. Er selbst konnte durch die traumatischen Erlebnisse den Beruf des Fotografen nie wieder ausführen.

Auch die Stadtführung auf den Spuren des vor dem Zweiten Weltkrieg regen jüdischen Lebens in Oswiecim förderte erschreckende Erkenntnisse zutage. Bestand die Bevölkerung zuvor zur Hälfte aus Juden, so lebt heute nur noch eine einzige in der Stadt. Konsequent wurden jüdische Prinzipien missachtet, der Friedhof geschändet, die Synagoge zerstört und die Menschen „liquidiert“, sodass wie in vielen anderen Städten alle Hinweise auf eine vormals große Bevölkerungsgruppe ausgelöscht wurden.

Ihr Ziel hat die Reise nicht verfehlt. Wir haben aus der tiefgründigen Auseinandersetzung mit dem Thema schmerzliche Erkenntnisse ziehen müssen, die uns aber auch neu motivierten, rechtsextremes Gedankengut in unserem Umfeld nicht zuzulassen. Denn die Erfahrungen der Woche haben uns allen einmal mehr gezeigt, dass die nationalsozialistische Ideologie für immer der Vergangenheit angehören muss!

Bericht: Kathi Hoffmann

RSS Trackback URL Sarah | 2. November 2008 (19:53)

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